Krisen meistern durch Resilienz

Gerade in der Coronazeit kristallisiert sich heraus, wer Krisen gut meistern kann und wer nicht. Wer es schafft, in dieser konfliktreichen Zeit das Positive aus der Situation zu ziehen, kann von sich behaupten, resilient zu sein.

Resilienz ist eine besondere, innere Kraft der Psyche. Sie schützt uns davor, bei Krisen und Konflikten psychisch sowie physisch nicht daran zu zerbrechen. Resilienz ist daher eine Art Immunsystem der Seele.

Das lateinische Wort „resilire“ bedeutet abprallen. Resiliente Personen besitzen folglich die Fähigkeit, Rückschläge, Verluste oder Trennungen an sich abprallen zu lassen, um danach wieder zur Höchstform zurück zu kehren. Sie sind somit seelisch robust, sodass ihnen Krisen nicht viel anhaben können. Nach negativen Erlebnissen verweilen sie nicht unnötig lange an einem Tiefpunkt, sondern kommen schnell über die Hürde hinweg.

An Herausforderungen wachsen

Resiliente Menschen wachsen an ihren Herausforderungen. Sie erleiden zwar einen genauso tiefen Schmerz bei Verlusten, jedoch erlangen sie danach ihre Handlungskraft vollständig zurück. Im Vergleich zu anderen suchen resiliente Personen keinen Schuldigen, der die Schuld an ihren Problemen trägt, sondern sie suchen sich einen Ausweg aus der Krise. Sie sind im festen Vertrauen darauf, dass dieser Ausweg einwandfrei funktioniert.

Im Gegenzug dazu stehen die nicht-resilienten Personen. Sie verzweifeln an Problemen und sind somit seelisch nicht in der Lage, sich von Konflikten abzugrenzen. Sie verfallen oft in Depressionen, Angsterkrankungen oder in Süchte. Vulnerabilität ist daher das Gegenteil von Resilienz und beschreibt die Verwundbarkeit eines Menschen gegenüber einer negativen Erfahrung. Diese Personen sind meistens hochsensibel und zartbesaitet. Sie werden durch schlechte Ereignisse in ihrem Leben seelisch verletzt und haben Schwierigkeiten, einen Ausweg aus ihrer Misere zu finden.

Innere Stärke ist nicht angeboren

Resilienz ist nicht angeboren und kann daher erlernt werden, denn unsere Persönlichkeit ist wandelbarer als bisher angenommen. Charakterzüge können sich im Laufe eines Lebens ändern, insbesondere zwischen dem 30. und 70. Lebensjahr. Junge Erwachsene werden beispielsweise gewissenhafter, sobald sie ihren ersten Beruf ergreifen.

Auch die eigene Kindheit spielt bei der Resilienz eine wichtige Rolle, denn hier erlernen Kinder, wie ihre Eltern mit Verlusten oder Traumata umgehen. Um selbst eine psychische Widerstandsfähigkeit und innere Stärke zu erlernen, benötigt es Menschen, die diese Sicherheit und Zuverlässigkeit vermitteln.  Zudem brauchen Kinder das Gefühl, geliebt zu werden. Denn anhand dieser Wertschätzung und Akzeptanz entwickeln sie ein starkes Selbstwertgefühl. Dieses ist für die Resilienzentwicklung unersetzlich.

Positive Erfahrungen im Umgang mit Krisen sind demzufolge wichtig für die Resilienzentwicklung. Je mehr man als Kind erfährt, dass es nach Schwierigkeiten wieder bergauf geht, desto größer ist die Chance auf eine Resilienz im Erwachsenenalter.

Anhand der sieben Säulen der Resilienz kann sich ablesen lassen, welche Stärken resiliente Personen inne haben:

Die 7 Säulen der Resilienz

1. Selbstbewusstsein

  • Glaube an die eigenen Stärken und Kompetenzen.
  • Statt in die Opferrolle zu schlüpfen & zu jammern werden resiliente Personen lieber aktiv.
  • Sie haben ein ausgeprägtes Selbstvertrauen, selbst Lösungen entwickeln zu können.
  • Dadurch gewinnen sie Vertrauen & die Bewunderung Anderer.
  • Dies stärkt das Selbstvertrauen noch mehr.

2. Kontaktfreude

  • Resiliente Menschen kommunizieren gerne.
  • Das soziale Umfeld dient als Schutzfaktor.
  • Schwierigkeiten versuchen sie erst gar nicht im Alleingang zu lösen, sondern gemeinsam mit anderen.
  • Sie suchen sich aktiv Partner, die einfühlend und unterstützend sind und ihnen Mut machen.
  • Resiliente Menschen haben die Stärke, das Verhalten anderer richtig zu deuten.
  • Sie sind in der Lage, gute und lang anhaltende Beziehungen aufzubauen.

3. Gefühlsstabilität

  • Emotionen werden analysiert.
  • Resiliente Personen können die eigene Gefühlswelt so steuern, dass hohe Belastungen nicht als Stress, sondern als Herausforderung empfunden werden.

4. Optimismus

  • Früher oder später werden sich Dinge zum Positiven wenden; mit dieser Überzeugung gehen resiliente Menschen durch ihr Leben. Sätze wie „das schaffe ich nie“ kommen im Wortschatz resilienter Menschen nicht vor. Eher Sätze wie „dieses Mal hatte ich keinen Erfolg, das nächste Mal schon“.
  • Situationen werden so akzeptiert, wie sie sind.
  • Resiliente Personen beschönigen nichts und blicken positiv in die Zukunft.
  • So bekommt die Krise erst gar kein Schwergewicht, sondern bleibt ein zeitlich begrenztes Ereignis, aus dem man sich selbst herausführen kann.
  • Resiliente Menschen neigen nicht dazu, zu „katastrophisieren“.

5. Handlungskontrolle

  • Resiliente Menschen sind nicht impulsiv, sondern sie handeln kontrolliert und überlegt.
  • Sie besitzen die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung.
  • Der Aufschub einer Belohnung ist ein Kennzeichen starker Charaktere.

6. Realismus

  • Resiliente Menschen denken langfristig.
  • Sie entwickeln für sich realistische Ziele.
  • Aufgrund dessen können temporäre Krisen sie nicht aus dem Gleichgewicht bringen, weil sie sich schon auf ihr Leben nach der Krise vorbereiten.
  • Daher meistern resiliente Menschen Herausforderungen souveräner und schneller.
  • Sie gehen konstruktiv mit Schmerzen oder der Tragödie um; dabei sind sie keinesfalls blauäugig.

7. Analysestärke

  • Eingefahrene Denkpfade werden verlassen.
  • Es werden die Ursachen eines negativen Erlebnisses genau identifiziert & analysiert. Auf diese Art können bessere Lösungen oder alternative Wege erkannt werden.

Tipps zu mehr Resilienz im Leben

Wie erreicht man nun das Ziel der Resilienz? Nicht jeder beherrscht die Fähigkeiten der sieben Säulen, zumal nicht jeder über ein hohes Selbstbewusstsein oder Optimismus verfügt.

1)
Um in kleinen Schritten der Resilienz näher zu kommen, startet man am besten mit der Reflektion seiner eigenen Krisen. Denn durch die Selbstreflektion wird einem klar, welche Herausforderungen man bisher in seinem Leben gemeistert hat – und dass diese zu bewältigen sind. Anhand der Analyse der Probleme wird deutlich, welche Stärken Sie mitbringen. So wird ihre Zuversicht positiv gesteigert.

2)
Der zweite Schritt in Richtung Resilienz ist, sich alles von der Seele zu schreiben. Das Wort Tagebuch ist etwas veraltet, aber das Prinzip ist das gleiche: Alle belastenden Situationen werden aufgeschrieben. Durch das Aufschreiben entsteht ein heilsamer, positiver Prozess, denn einerseits wird man sich seiner Gefühle bewusst und sieht das Hindernis dadurch klarer. Andererseits ist das Aufschreiben ein guter Weg, mit der bestehenden Krise fertig zu werden.

3)
Wichtig ist zudem, Niederlagen zu akzeptieren und darin Chancen zu erkennen. Es ist nicht ratsam, sich zu lange an einem Problem festzubeißen. Stets sollte der Blick auf Lösungswege gerichtet sein. Wer sich auf die Suche nach einem Ausweg fokussiert, wird mit seinem Problem besser fertig.

4)
Freundschaft und Anerkennung sind wichtige Faktoren bei der Resilienz. Wer daher eine wichtige Bezugsperson hat, ist automatisch resilienter, denn diese Bezugsperson dient als positiver Anker. In schweren Zeiten sollten Sie zudem bereit sein, Hilfe von anderen Personen anzunehmen.

5)
Glauben Sie an sich selbst und an Ihre Stärken. Führen Sie sich ihre eigenen Stärken vor Augen, denn dies hilft dabei, zuversichtlich zu bleiben. Jede gemeisterte Herausforderung steigert zusätzlich den Glauben in Sie selbst.

 

Die Coronakrise wird uns vermutlich noch einige Zeit in unserem Leben begleiten. Daher ist es immer gut, sich Möglichkeiten zur Meisterung von Konflikten zu suchen, sodass jeder eine positive Resonanz aus der momentanen Stagnation ziehen kann und stressfrei aus der Krise heraus kommt.

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